ADHS? Oder Scanner? Egal.

25. Juni 2018 von Antje Garrels-Nikisch

Es gibt Leute mit unstillbarer Neugier, die es selten schaffen, den Mund zu halten, wenn jemand mit Macht Ansätze verbreitet, die schlicht nicht funktionieren können.

Selbstdisziplin: kommt eben drauf an
Derartige Wirkmacht korreliert hoch mit formal übergeordneter Position, Expertise oder der Tatsache, dass jemand eine Mehrheit hinter sich hat. Solche Wirkmacht ist nix Perfides, sondern eine ganz normale Funktion in sozial komplexen Systemen.
Dummerweise bringt sie häufig andere dazu, öfter als gut wäre den Mund zu halten; zu widersprechen kostet Selbstdisziplin. Den oben Genannten geht es genau umgekehrt, sie müssen sich disziplinieren, nicht zu widersprechen. Damit wollen sie niemanden ärgern, nur dringend darauf hinweisen, dass etwas so nun aber gar nicht klappen kann. Sie wollen nicht sozial herausfordern, sondern sehen funktionstechnische Probleme.

Wahrnehmen: weit und scharf
Leuten mit dieser Wahrnehmungscharakteristik verleiht man heute - sofern sie jung sind und in beaufsichtigten Gruppen gemanagt oder belehrt werden - gern das Label ADHS. Besonders das D wundert: wo ist das Defizit? Sicher nicht bei der Aufmerksamkeit, die ja voll da ist und sich eben nur nicht bloß dahin richtet, wo die solches Beurteilenden es gern hätten.
Ein Defizit, sich sortiert zu bekommen angesichts der vielen interessanten Dinge, die Aufmerksamkeit fordern, ist sicher zu erwarten. Umwelt, die ja nie stillsteht, ist für Leute mit weit verteilter Aufmerksamkeit und häufigen kurzen scharfen Fokussierungsphasen eine ständige Herausforderung, sich sortiert zu bekommen. Anne Heintze nennt das Scanner Persönlichkeit und das klingt in der Tat schon viel weniger negativ wertend.

Und was hat das mit Sustainability zu tun?
Leute mit der Neigung, ganz vieles wissen zu wollen und nicht nur da hinzusehen, wo andere es gern hätten, können sehr helfen in Sachen Nachhaltigkeit. Sie sind halt nicht immer einfach zu ertragen und sollten sich zu benehmen lernen, ohne Wichtiges für sich zu behalten. Ich kann ein Lied davon singen.
Wer lernt, so ein Leben zu managen und viele Interessen ernsthaft zu verfolgen, bringt etwas mit, das für nachhaltige Entwicklung extrem wichtig ist: die Fähigkeit, in komplexen Situationen nicht beliebig oder nach Handbuch, sondern der Gesamtlage entsprechend sinnvoll zu entscheiden.
"Solche Leute" können sich sehr gut konzentrieren, wenn sie etwas fasziniert. Oft sind das Dinge, die vom Mainstream gern übersehen werden. Wenn es neue Lösungen braucht, braucht es metaperspektivische Sichten, die sich nicht mit der Hälfte, also Weite (Generalistensicht) oder Schärfe (Expertensicht) begnügen. Sie können mit beiden Seiten sprechen, mir scheint das unbezahlbar.

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