Preis der Utopie?

20. Sep. 2018 von Antje Garrels-Nikisch

Der Preis, eine persönliche Utopie zu pflegen, ist teilweiser Realitätsverlust, der in Kauf genommen wird, um die Chance zu erhöhen, dass aus Utopie zumindest teilweise Realität wird. Nachhaltige Entwicklung für alle braucht viele subjektive Utopien. Auch deine?

Wieso eigentlich Utopie?
Sollte ich nicht lieber auf dem Boden der Realität bleiben? Also von a) Realitäten ausgehen und b) Realistisches erreichen wollen?
Teil a trifft schon zu: ich gehe von Realitäten aus, aber Teil b - was zu erreichen ist - soll erst realistisch werden. Wie nachhaltiges menschliches Leben auf unserem Planeten funktionieren soll, haben wir noch nicht herausgefunden, es gibt darüber als Ganzes gesehen keine realistischen Pläne. Über Utopien können wir uns ans Machbare tasten.

Braucht es nicht erst Diskussion?
Dass abgewartet wird, bis alle oder auch nur einige Utopien diskutiert sind und dann erst mit der Umsetzung angefangen, hat sich historisch bisher nicht gezeigt - wohl aus Mangel an funktionierenden Möglichkeiten: Die Menschheit ist keine Arbeitsgruppe. Also scheint es mir - unabhängig davon, ob ich das gut finde oder nicht - unrealistisch, darauf zu hoffen.

Wenn's dich wirklich treibt, kann's das sein.
Dass Menschen aus dem Antrieb persönlicher Utopien etwas in die Welt gebracht haben, hat sich vielfach bestätigt. Ohne dem würde kein Einmachglas Kirschen konservieren, keine Solarzelle Sonnenlicht verstromen und keine Sozialversicherung verhindern, dass das lebenswerte Leben vieler im Fall von Alter oder Krankheit beendet wäre, bevor das Leben selbst zuende ist.

Und wessen Utopie soll es sein?
Niemand kann Utopien anderer ersinnen - ich würde auch freundlich, aber bestimmt zurückweisen, wenn mir jemand seine vorschreiben wollte. Wessen Utopien real werden, ist viel unwichtiger, als dass die es werden, die Menschen insgesamt nachhaltig wieder mehr und bessere Luft verschaffen.

Vor allem: viele.
Wir werden die Utopien vieler brauchen, um zu sehen, welche davon viele teilen können und deshalb wahrscheinlicher an einem Strang ziehen werden, sie umzusetzen. Wir werden viele Utopien brauchen, weil viele sich nicht bewähren werden. Vielleicht funktionieren sogar gerade exotische Utopien, die vielen nicht in den Sinn kämen? Echte Durchbrüche lagen ja häufig abseits vom Mainstream, vielleicht charakterisiert sie gerade das.

Wir wissen es einfach nicht, wir waren noch nicht in der Zukunft, die wir gerade herstellen. Wenn wir schon wüssten, was dort funktioniert, bräuchten wir tatsächlich eher Pläne als Utopien. Dass utopische Vorstellungen durcheinandergehen und dabei ko-evolvieren, scheint mir so schwer kontrollierbar wie gut und richtig. So werden aus manchen Trampelpfaden Holzwege und aus anderen Hauptstraßen. Ich nenne sowas Leben.

Realistisch werden.
Auch sustainable you® ist eine Utopie, in die ich nun bevorzugt meine Energie und professionelle Kompetenz gebe. Dabei muss der homo oeconomicus zugunsten von homosustinens etwas zurückstecken, ohne gleich vom Platz verwiesen zu werden.

Mehr über sustainable you® Coachings erfährst du auf meiner Internetseite