Improvisieren, Bewerten, Improvisieren, …

18. Mai 2018 von Antje Garrels-Nikisch

Wer bastelt, improvisiert oft längst den nächsten Schritt, wo Konstrukteure entweder schon unter der Last des ganz großen Rads zusammenbrechen oder - eine andere gern genommene Variante - sich und anderen über die Machbarkeit ihrer Pläne in die Tasche lügen. Freundlicher ausgedrückt, heißt das überrealistische Zuversicht.

Planen bringt in jedem Fall weiter.
Das soll nicht heißen, Planen wäre blöd. Wer plant, bekommt in jedem Fall was. Ein Plan, der aufgeht, ist prima für die Sache, die man vorhatte. Einer der nicht aufgeht, bietet dir an, herauszufinden warum. Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum und dem kannst du einfacher nachgehen als reinem Zufall. Wenn du dich traust hinzusehen, kannst du viel Nutzen aus Scheitern ziehen. Deswegen Scheitern zum Ziel zu machen, würde ich allerdings für über's selbige hinausgeschossen halten.

Zu komplexe Projekte scheitern wahrscheinlicher.
Ab einer gewissen Komplexität - das zeigen viele öffentlich genüsslich zerrissene Großprojekte und sich mehr oder weniger zerknirscht zeigende Retter - geht der große Plan hochwahrscheinlich schief (sorry: schön geredete Projektabschlüsse dürfen hier nicht mitspielen).

Menschen und ihre Sozialformen: komplex, nicht-linear, dynamisch.
Menschen und ihre Sozialformen (Inhalt: 2-n) werden heute nach theoretischem State of the Art als nichtlineare komplexe dynamische Systeme angesehen.
Wer anerkennt, unter Bedingungen von Komplexität und Nichtlinearität zu leben, sollte, wie der Neurophysiologe Wolf Singer (2003 Über Bewußtsein und unsere Grenzen: 302-305) schließt, kaum Handlungsbegründungen für sinnvoll halten, die sich mit langfristigen Prognosen rechtfertigen wollen. Man kann nicht sicher wissen was kommt, und Wahrscheinlichkeiten sind eben genau das: wahrscheinlich, aber nicht sicher.

Häufiger auf Sicht steuern.
Singer hat eine Idee, die sich lohnen könnte, in vielfachen Versionen improvisiert zu werden.

Zitat beginnt:
Was aber bleibt uns, wenn wir uns von der Utopie der Planbarkeit der eigenen Zukunft verabschieden und mit den Einsichten in unsere Begrenztheit ernst machen (...)? Vielleicht, so meine Hoffnung, könnte dies der Anfang zur Entwicklung einer neuen Kultur der Demut sein, in der pragmatische Nahziele wie etwa Leidensminimierung, Empathiefähigkeit und Toleranz zum Primat werden. Wenn wir uns bescheiden und ablassen von finalen Projektionen, die wir ohnehin nicht durch "zielführende" Maßnahmen verwirklichen können, dann wird vielleicht der Blick frei für die vielen kleinen Änderungen, die wir gefahrlos induzieren können, um die Vielfalt der Daseinsmöglichkeiten zu erhöhen und zu erproben. Wenn wir uns dann noch in dem Konsens solidarisieren könnten, daß uns unser Nicht-wissen-Können eint, wenn wir lernen könnten, diese kollektive Geworfenheit auszuhalten, und uns nicht wie bisher durch Abgrenzung vom anderen als besser Wissende betätigen müßten, dann hätten wir durch die Einsicht in unsere Grenzen die Würde wiedergefunden, die uns diese Einsicht vermeintlich geraubt hat. Demut als Utopie (ebd.: 305).
Zitat endet.

Zugegeben. Demut kann ein Reizwort sein, und ich würde ein anderes wählen. In der Sache stimme ich zu. Eine etwas weniger große Klappe und mehr aufmerksames auf Sicht steuern scheint mir nicht dumm in unserer Lage. Ich bin überzeugt, mit einem sustainable you fällt das leichter.

Mehr über sustainable you Coachings erfährst du auf meiner Internetseite