Dreiecksverhältnisse: Suffizienz.

13. Sep. 2018 von Antje Garrels-Nikisch

Wann es genug ist, lasse ich mir ungern von anderen sagen. Konsequenterweise muss ich mich selbst eingrenzen, um anderen neben mir und nach mir genügend zu lassen. Eine Frage der Suffizienz also. Und eine Antwort. Ich find's gelegentlich nützlich, nochmal nach der Frage zu fragen, die zu einer Antwort passt.

Auf welche Frage ist Suffizienz die Antwort?
Und auf welche Art von Frage? Es ist keine Alles-oder-nichts-Frage - ein bisschen schwanger geht nicht, mehr oder weniger suffizient schon. Ist es eine Frage der Bescheidenheit? Oder eine von Übersättigung? Und wann ist Suffizienz tatsächlich?

Suffizienz steht als Konzept in einem prominenten Dreiecksverhältnis: als eine Umsetzungsstrategie von nachhaltiger Entwicklung ist sie die "irgendwie auch wichtige" Begleiterin von Konsistenz und Effizienz. In vielen Nachhaltigkeitsdiskussionen führt sie eine ähnlich ärmliche Existenz wie Soziale Nachhaltigkeit relativ zu ihren dominanteren Begleiterinnen Ökologische und Ökonomische Nachhaltigkeit.

Suffizienz ist das Konzept, das am direktesten darauf reagiert, dass wir mehr Erde verbrauchen als wir haben. Das trifft aber nicht auf alle verbrauchenden Menschen zu, sondern deckt sich in etwa mit denen, die es sich wirtschaftlich leisten können, mehr umzusetzen als sie brauchen. Und es damit irgendwie und meist ziemlich indirekt anderen versagen. Also das berühmte Alles-hängt-mit-allem-zusammen. Ab da wird es schnell undurchschaubar und leicht mal beliebig - schon wegen der kognitiven Ressourcenknappheit, man kann ja nicht alles gleichzeitig aus allen beteiligten Positionen detailliert und tief durchdenken.

Konzepte funktionieren über: es tun.
Suffizienz ist auch dasjenige Konzept mit dem größten Wirkpotenzial: was ich mich nicht zu brauchen entscheide, muss weder effizient noch konsistent hergestellt und genutzt werden. Punkt. Klar ist aber auch: In Papers und Leitbildern ist Suffizienz nur ein schlaues Wort. Suffizienz existiert nur genau dann, wenn echte Menschen sich suffizient verhalten. Es sind du und ich, die suffizient entscheiden und sich dran halten - oder auch nicht.

Ich halte wie viele andere ein ökologisches Primat für richtig: funktioniert die Erde nicht in menschenfreundlichen Parametern, funktioniert für uns nichts mehr. Es gibt auch einen nennenswerten Anteil Leute, die sich dabei sicher fühlen anzunehmen, dass, wenn nur erst grüne Technologie wirtschaftlich ertragreich genug wird, ökologisches Funktionieren hergestellt werden wird. Was davon richtig sein wird, kann heute niemand wissen.

Nebenbei macht die Sorge Druck, es könne ohne Ökodiktatur vielleicht nicht klappen. Hier bin ich wieder am Anfang: ich lasse mir ungern von anderen sagen, dass es genug ist.

Mauerblümchen mit Potenzial.
Die Konzepte Suffizienz oder Soziale Nachhaltigkeit wirken vielen nicht besonders sexy; schon sie zu erwähnen rührt ohne Umwege an heikle Themen - Wachstum und Verteilung - , die schnell moralisch oder ideolgisch diskutiert werden. Aber sie bergen ernormes Potenzial für persönliches Wohlbefinden: sich selbst nicht zu überfressen oder andere zu berücksichtigen ist alles andere als unsexy. Finde ich. Wie ist es mit dir?

Mehr über sustainable you® Coachings erfährst du auf meiner Internetseite